Silberbergwerk
Villander

 

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22. Februar 2013

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Silberbergwerk in Villanders

 

Am schnellsten und bequemsten erreicht man den Besichtigungsstollen mit dem Motorrad, indem man nach Villanders fährt, vom Dorf Richtung Villanderer Alm für ca. 7 km bis zur "Zilderer Kehre" (große Anschlagtafel). Dort rechts abbiegen, nach ca. 500 Metern befindet sich ein kleiner Parkplatz. Von dort zu Fuß sind es noch ungefähr 300 Meter bis zum "Elisabeth-Stollen".

Das Silberbergwerk Villanders am Pfunderer Berg bei Villanders war im Mittelalter eines der bedeutensten Bergabbaugebiete Tirols. Nach seiner Stilllegung Anfang des 20. Jahrhunderts geriet es in Vergessenheit. Durch die Arbeit des Kultur und Museumsvereines Villanders wurde das Bergwerk in den letzten Jahren renoviert und kann nun auch von der Öffentlichkeit besichtigt werden.

Die erste sichere Nachricht über den Bestand eines Bergwerks im Bereich von Villanders ergibt sich aus einer Schenkungsurkunde aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, in der Graf Arnold von Greifenstein und seine Gemahlin Adelheid den „mons argenti“, den Silberberg von Villanders, dem neugegründeten Kloster Neustift bei Brixen übertrugen. Wie es dem Trend der Zeit entsprach, griffen die Klöster nach bergbaulichen Produktionsstätten. Alsbald war das Villanderer Silber eine ansehnliche Bereicherung für das Stift, das 1142 der legendäre und selige Hartmann zusammen mit dem Säbener Burggrafen Reginbert gegründet hatte. Im Jahre 1177 bestätigte Kaiser Friedrich I. Barbarossa in Venedig diese Schenkung, die dadurch erst Rechtskraft erhielt.

Zwölf Jahre später belehnte Barbarossa den Bischof Heinrich III. von Brixen (1178–1196) und dessen Nachfolger mit den im stiftischen Gebiet befindlichen Silbergruben, von deren Ertrag dem Kaiser allerdings die Hälfte ausgehändigt werden musste. Am 21. Dezember 1217 erweiterte König Friedrich II.

die Rechte des Hochstiftes, indem er durch eine Urkunde auf dem Reichstag zu Nürnberg alle Silber-, Metall- und Salzgruben, die in seinem Gebiet gefunden würden, dem Brixner Bischof Bertold I. von Neifen (1216–1224), verlieh und ihm somit das volle Recht über den Bergbau zuerkannte. Am 7. Dezember 1452 stattete Kaiser Friedrich III. das Hochstift Brixen ebenfalls mit einigen den Bergbau betreffenden Freiheiten aus. Zu diesem Zeitpunkt war der bekannte Kardinal Nikolaus Cusanus Bischof von Brixen (1450–1464). Auch eine Urkunde aus dem Jahre 1331 spricht vom Silberbergwerk auf Villanders. Allerdings ist unklar, ob diese bzw. frühere Urkunden sich auf den Bergbau am Pfunderer oder am Villanderer Berg beziehen.

Namen. Um 1300 wurde das Bergwerk bei Klausen nach dem im 12. Jht. erbauten Schloss Garnstein (oder Gerstein) benannt. Die Tatsache, dass im abgelegenen Thinnetal, am Fuße des Bergbaugebietes, eine Festung erbaut wurde, deutet auf die Wichtigkeit das Bergwerkes hin.
Später wurde dann das Bergwerk nach dem Bauernhof „Pfunderer“ benannt. Dieser liegt an der ostseitigen Abdachung des Berges auf einer Meereshöhe von 1315m und erstmals im Jahre 1332 als „Phunt“-Hof Erwähnung findet. Auch der Pfunderer Berg trug früher den Namen „Phunt“-Berg.

Bei Klausen mündet das in nordwestliche Richtung verlaufende Thinnetal. Es ist mit rund 10 km Länge ein westliches Seitental des mittleren Eisacktales. An der Südseite dieses engen, schluchtähnlichen Tales liegt der sogenannte Pfunderer Berg (1519 m), westlich davon erstrecken sich die Villanderer Almen, an deren westlicher Begrenzung der Villanderer Berg (2509 m) liegt. Die Villanderer Almen bilden eine riesige Fläche, die zu den größten Hochweiden Südtirols zählt und sind Teil der Sarntaler Alpen. Der Pfunderer Berg hat seinen Namen vom Bauernhof „Pfunderer“, der an der ostseitigen Abdachung des Berges liegt.

Der Thinnebach wird zum Großteil durch das Wasser der ausgedehnten Weiden, Wiesen und Moore der Villanderer Alm gespeist, wo ebenfalls Bergbau betrieben wurde. Die Stadt Klausen wurde wiederholt durch Hochwasser und Schuttmassen aus dem Thinnetal heimgesucht, was schwere Schäden verursachte. Wo im Thinnetal der Plankenbach in den Thinnebach mündet, steht auf einem Felsvorsprung das Schloss Garnstein, das in der Geschichte des Bergbaus eine nicht unwesentliche Rolle gespielt hat.

Das Gebiet des Pfunderer und Villanderer Berges, das heute größtenteils zur Gemeinde Villanders gehört, gilt als eines der ältesten und zugleich bedeutendsten Bergbaugebiete Tirols und besaß auch ein eigenes Berggericht. Das Abbaugebiet am Pfunderer Berg lag hauptsächlich an dessen steiler und bewaldeter Nordostflanke, „Rotlahn“ genannt. Der Abbau auf der Villanderer Alm, der wesentlich älter als der am Pfunderer Berg sein dürfte, hat sich vor allem am Seeberg und am Sam abgespielt.

Wenn das unscheinbare, tief eingeschnittene Thinnetal heute kaum noch von Bedeutung ist, so spielte es in der Landesgeschichte immer wieder eine gewichtige Rolle. Der Thinnebach war nämlich seit jeher eine wichtige Grenze. Er trennte seit 1027:  die Diözesen Brixen und Trient, die alten Grafschaften Bozen und Norital, später die Gerichte Villanders und Latzfons-Verdings bzw. Klausen sowie das Hochstift Brixen und die Grafschaft Tirol.

Dies führte wiederholt zu erbitterten Grenzstreitigkeiten zwischen den einzelnen Parteien, nicht zuletzt wegen der unmittelbaren Nähe des Bergwerks. Allerdings stellte der Thinnebach nicht in seinem gesamten Verlauf die Grenze dar, so dass es immer wieder zu Neuvermessungen und zur Aufstellung von Marksteinen kam. Ein Teil an der rechten (südlichen) Seite des Baches gehörte noch zum Fürstbistum Brixen, was an und für sich nichts Besonderes wäre, wenn nicht gerade in diesem Gebiet die Erzlagerstätten des Pfunderer Berges liegen würden. So grenzten Brixen und die Grafschaft Tirol also inmitten des Bergbaugebietes aneinander. Mit jedem neuen Erzfund wurde die Grenzfrage wieder akut. Dies mag auch die Erklärung dafür liefern, dass in dieser abgelegenen Gegend eine Burg (Garnstein) errichtet worden war.

Ende das 18. Jahrhundert ging das Bergwerk in Erschöpfung (Konkurs) und gehörte bis dahin der Jennerschen Gewerkschaft. Das Bergwerk ging in alleinigen Besitz des Staates über. Zu dieser Zeit war die Jahres-ausbeute ca. 5t Kupfer, 25t Blei und 130kg Silber, nicht gerade viel. Zwischen 1835 und 1838 wurde im Thinnetal ein Pochwerk (daher der Flurname "Pucher") und 1846 ein Quetschwerk errichtet. Weiters wurde eine neue Erzstraße nach Klausen angelegt, die 1845 vollendet wurde. Doch es dauerte nicht lange, dass ein Unwetter das Thinnetal heimsuchte und die Straße zum Teil wegriss. Es dauerte 15 Jahre bis sich die österreichische Regierung entschloss die Thinnetalstraße wieder herzurichten und infolgedessen den Bergbau aufs neue ins Leben zu rufen. Kurz vor dem 1. Weltkrieg lies Österreich das Bergwerk endgültig auf.

Nach dem Krieg kam das Bergwerk in italienischen Besitz. Ein neuer Stollen (Viktor Emanuel - Stollen) wurde angeschlagen, in der Hoffnung auf eine große Erzausbeute. Doch wieder war es höhere Gewalt die dem Pfundererbergbau still-legte. 1921 suchte eines der größten Unwetter die Gegend um Klausen heim. Wiederum wurde die Straße und auch das Pochwerk größtenteils zerstört. Auch Klausen litt schwer unter der Überschwemmung. Angesichts dieser Umstände stellte der italienische Staat den Bergwerksbetrieb ein. Lediglich im Zuge des 2. Weltkrieges wurden nochmals Arbeiten im Franz und Viktor Emanuel Stollen von neun italienischen und einem deutschen Knappen durchgeführt. Dies waren die letzten ordentlichen Knappen am Pfunderer Berg.

Danach blieb das Bergwerk bis in die 90er Jahre fast unberührt.

 

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