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Wir tauchen in die grosse Röhre ein, welche Ihren Schlund weit und
hell erleuchtet hat. Und dann die angenehme Überraschung. Der Tunnel ist durchgehend sehr hell beleuchtet, breit und neu gestaltet,
sehr gut beschriftet und die Luft ist angenehm kühl. Was jedoch viel wichtiger ist, die Röhre ist durch keinerlei Abgase verpestet.
Entspannt fahre ich die Strecke und merke gar nicht wie ich mich sehr langsam aber stetig dem weit vor mir fahrenden LKW nähere.
Als ich noch geschätzte 50m Abstand zu dem vor mir fahrenden LKW
habe, schaltet sich plötzlich in diesem Tunnelabschnitt ein gelbes Warnblinklicht an und eine Schrifttafel teilt mir mit, dass mein
Abstand zu gering ist. Ich lasse mich also wieder soweit zurückfallen bis der Spuk vorbei ist und fahre entspannt die restlichen Kilometer,
bis mich die Röhre kurz darauf in Italien ausspuckt. Wir befinden uns im Aostatal und das schöne kleine Städtchen direkt nach dem Tunnel
heisst Cormayeur.
Die Schranke der Abfertigung am Ende des Tunnels schliesst sich hinter uns und wir halten uns direkt nach links auf die Landstrasse und
schlängeln uns durch die kleineren Ortschaften im Aostatal, bis wir durch Courmayeur hindurch kurz darauf Pre Saint Didier erreichen. Aber
Vorsicht. Die SS25 hinab nach Pre Saint Didier ist für die Italienischen Carabinieri eine leichte Beute für Geschwindigkeitsmessungen. Leicht
abfallend, in leichten Bögen, gut ausgebaut, verleitet sie geradezu die vorgeschriebenen 70km/h zu überschreiten. Es gibt zwar noch keine
Vollstreckungsvereinbarung mit Italien, jedoch die Halterermittlung schon und dann kann es passieren dass man eine freundliche und recht
teure Spendenaufforderung bekommt. Man ist hier sogar so frech und misst gleich zweimal im Abstand von 1.000m und wird wegen 2
Vergehen zur Kasse gebeten.
Wir erreichen das kleine verschlafene Örtchen Pre Saint Didier, welches der Einstieg zum Petite Saint Bernard Pass ist. Wir biegen im Ort
rechts ab und werden im unteren Bereich sogleich durch etliche Kehren empfangen die dann in einigen Lawinengalerien verschwinden. Das
Skiresort La Thuile empfängt uns dann auf halber Höhe. Ein wenig attraktiver Wintersportort, den wir einfach nur durchfahren um in die
eigentliche Passtrasse hinauf zur Passhöhe einzusteigen.
Relativ schmal, an vielen Stellen sehr unübersichtlich, fahren wir durch lichte Föhrenwäldchen und dann über alpine Wiesen durch unzählige
Kurven und Serpentinen hinauf. Wir passieren eine kleine Alp mit einer einladenden kleinen Gastronomie, zwei Gasthöfe und mehrere
leerstehende Gebäude, wobei uns immer der Blick weit offen über die Berge ringsum möglich ist. Die Strecke hier über den kleinen Sankt
Bernhard wird von vielen italienischen und französischen Bikern genutzt und ist daher am Wochenende recht stark frequentiert. Wir befuhren
den Pass gerade zu der Zeit als ein Harley Treffen im Aostatal stattfand. Da die Jungs mit Ihren Bikes Probleme hatten die engen Kurven zu
nehmen, kamen die uns immer mitten auf der Strasse entgegen gekachelt. Also aufgepasst.
Hat man dann die Passhöhe erreicht, so scheint die Infrastruktur
zweigeteilt, war der Pass doch ehemals die Grenzstation zwischen Italien und Frankreich. Auf der italienischen Seite wirkt alles verfallen
oder ist geschlossen, auf der französischen Seite findet man einige hundert Meter hinter der ehemaligen Grenze ein Hospiz neben einem
stattlichen, weit sichtbaren Monument. Während der Hauptsaison hat das Hospiz geöffnet und weist einen regen Betrieb auf. Wir halten
oben kurz an um die üblichen Photos und Andenken zu ergattern und entfliehen dann wieder dem Rummel.
Nach dem Hospiz verläuft die Passtrasse entlang der linken Talflanke
und verliert nur unmerklich an Höhe. Weit ins Tal hinab reicht der Blick und der Reisende erkennt ganz weit drunten den Ort Bourg
Saint Maurice bis nach etwa 3km der Wintersportort La Rosiere erreicht wird. Wir sind hier immer noch auf 1.850m und spüren aber
bereits hier oben die Hitze welche uns unten im Tal erreichen würde.
Langsam ziehen die ersten Wolken am Himmel auf und lassen uns auf ein wenig Schatten hoffen. Kein Baum, kein Strauch, nahezu
unendliche Fernsicht in alle Richtungen hinterlassen einen mächtigen Eindruck dieser Bergwelt.
Wer den Querabweg nicht kennt, wird ihn verpassen und bis hinab ins Tal gurken. Zwei Serpentinen und ein drei Kurven nach dem kleinen
Örtchen La Rosiere fordert uns unser Magellan Crossover Navigationssystem auf in eine relativ unscheinbare, jedoch befestigte Strasse
abzubiegen. Kein Wegweiser, kein Hinweis an der Strasse, nichts. Dies ist dann auch die Querung hinüber zum Col d’Iseran ohne hinab ins
Tal zu müssen. Wir begrüssen dies, erweist sich doch diese Strecke als ein landschaftliches und fahrtechnisches Sahnestück. Durch
Wiesen und durch kleinste Dörfer führt die Route uns hinüber auf die Passtrasse hinauf zum Col d’Iseran. Etliche Möglichkeiten in kleinen
französischen Bars kurz einen Happen zu essen und einen Café au Lait zu geniessen. Wir sind begeistert.
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