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Bei Saint Foy Tarentaise und noch guten 1.000 Höhenmetern stossen
wir auf die eigentliche Passtrasse, die D902, welche von Bourg St. Maurice das Tal d’Isere hinauf zum Pass führt. Hier empfängt uns die
harte Realität. Breit ausgebaut, mit sehr hohem Verkehrsaufkommen begleitet uns die Passtrasse am Stausee Lac du Chevril vorbei bis zum
Ort Val d’Isere.
Entlang des Stausees, durch etliche Tunnels führt die Strasse nun nicht
mehr so breit an der linken Flanke des Stausees nach Isere. Dieser Ort ist ein klassischer französischer Wintersportort und im Sommer
eigentlich fast leer und ausgestorben. Doch heute ist hier die Hölle los.
Einen Tag vor der Tour de France platzt der Ort aus allen Nähten. Nicht
nur dass die Fernsehteams hier unterwegs sind um ihre gesamte Technik aufzubauen nein, unendlich viele Fahrradfahrer versuchen es
ihren Idolen gleich zu tun und quälen sich die Passtrasse hinauf.
Es dauert fast 20min bis wir durch den Ort durch sind. Danach beginnt die eigentlich Strasse hinauf zum Pass. Überall entlang der Route der
Tour de France gehen Campingbusse in Stellung, Klapptische werden aufgestellt und Sixpack Bunker angelegt. Alles ist total aus dem Häuschen.
Aber nun zum eigentlichen Pass. Man muss ihn einmal gefahren sein, den Col d’Iseran. Er fasziniert auf seine besondere Art. Allein den
Ausblick den man an der Nordflanke hat, zurück über den Ort Val d’Isere und den Stausee. Wir sind über der Baumgrenze und die Talflanke
fällt sehr steil ab. Bis auf fast 2.500m hinauf blickt man frei ins Tal. Danach geht es in einer Rechtskurve in ein Hochtal für die restlichen Meter
hinauf auf 2.770m. Dieses Hochtal mit den riesigen Geröllhalden erinnert an eine Wüste. Gleissende Sonne, reflektiert von nackten Felsen und
Steinen. Eine unwirtliche Gegend.
Eine stolze Höhe, die ganz anders wirkt als die Höhe auf dem Stilfser Joch. Der Pass ist viel grossräumiger, weitläufiger, eine riesige
Steinwüste mit einem enormen Rundumblick. Ein Hospiz, eine Kirche und ein Kriegerdenkmal zieren die Passhöhe und unendlich viele
Radfahrer die sich alle vor dem weltbekannten Wegweiser fotografieren lassen. Die Passhöhe selbst ist als Satteltal ausgebildet. Rings herum
gibt es nichts mehr das wesentlich höher ist und so schweift der Blick weit, der Strasse weiter hinab ins Tal folgend, vorbei an doch schon ein
wenig grünen Wiesen.
Andächtig stehen wir hier ohnmächtig vor der gewaltigen Natur.
Schlichte felsige Schönheit und unheimliche Kraft strömt diese Gegend aus. Der höchste befestigte Pass der Alpen. Dünne Luft, sehr starke
Sonneneinstrahlung, gleissendes Licht und vielfältiges Stimmengewirr der vielen Radfahrer die hier tagtäglich anzutreffen sind. Aus allen
Herren Ländern angereist, trifft man sich nach diesem Gewaltritt hier oben.
Nein, heute ist es definitiv nicht unser Plan nach Süden die Tour
fortzusetzen. Dies wäre dann sicherlich eine 2 Tagestour und würde uns über den Col Cenis nach Susa und weiter über Turin zurück ins Aostatal
führen. Eine ähnliche Tour hatten wir schon mal gemacht, einmal zu Ostern.
Also wenn man den Iseran über den Col Cenis fahren möchte, sollte
man zwei Tage planen und dann ggfs. In Susa rechts durch den Tunnel und Geneve zurück ins Wallis fahren.
Wir wählen also nach einer etwas längeren Pause den gleichen Weg zurück über den Petite Saint Bernard ins Aostatal und halten uns rechts,
folgen der sehr gut ausgebauten Talgrundstrasse im Aostatal bis nach Aosta, wo uns dann doch noch die Hitze des frühen Abends erreicht. Es
ist erstaunlich wie sich die Felsen aufheizen und wie ein Glutofen die Wärme noch lange bis in die Abendstunden abgeben können. Die Pausen
im Aostatal, obwohl landschaftlich ein Traum, gestalten sich daher schon einmal sehr kurz.
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