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Wir erreichen Aosta in den frühen Abendstunden und tanken unsere Motorräder direkt am
Ortseingang. Das Thermometer zeigt immer noch 30°C im Schatten, obwohl die Sonne schon ziemlich tief steht. Tanken in Italien, immer wieder
interessant. Der Tankwart kommt an und möchte unbedingt den Zapfhahn selbst einfüllen. Schaut dann ganz böse wenn man nicht in bar sondern mit
Kreditkarte bezahlt und wackelt missmutig in sein Büro um die Abrechnung vorzunehmen. Also schnell getankt und allein der Gedanke bald schon
wieder auf über 2.000m Höhe zu stehen spornt uns an Aosta auf der Schnellstrasse hinauf zum Grand Saint Bernard Pass schnellstmöglich zu
verlassen und so lassen wir es bergauf so richtig krachen.
Wir verlassen Aosta auf der linken Talseite in einem weiten Bogen
durch die Vororte. Hier ist es noch etwas eng und unübersichtlich, jedoch ändert sich das schlagartig nach etwa fünf Kilometer. Breit
ausgebaut führt die Schnellstrasse bergan und es ist möglich das Gas seht lange stehen zu lassen. Der Fahrtwind kühlt und mit
jedem Höhenmeter wird es kühler. Nahezu ausgestorben ist die Strasse und an den paar Fahrzeugen fliegen wir nur so vorbei.
Beinahe hätten wir die Abfahrt zur alten Passtrasse verpasst und
wären in der Mautstation zum Tunnel gelandet. Rechts abgebogen gönnen wir uns erst mal eine kurze Verschnaufpause und
besprechen wie und in welcher Reihenfolge wir die Südflanke den fahren wollen. 18:00 ist es bereits und der Pass bis auf uns
menschenleer. Noch nie bin ich diesen Weg um diese späte Zeit gefahren. In der Abendsonne wedeln wir die Südflanke empor. Tief
stehende Sonne, weiche Schatten, ein einprägsames schönes Bild.
Ich muss hier nochmals her und dann im Abendlicht mal eine Photoserie schiessen. Diese Gedanken huschen mir durch den Kopf als ich
versuche an der Ducati vor mir dranzubleiben. Keine Touristen erwarten uns auf der Passhöhe, moderate 18°C lassen uns ja schon fast
frösteln und im Hintergrund bellen die Bernhardinerhunde die hier oben im Kloster immer noch gezüchtet werden. Der See auf der Passhöhe
glänzt matt und ein kühler Wind vom Süden weht einige Kuhglockengeräusche herüber. Wir geniessen diese Szene, menschenleer und
doch so gewaltig. Die nun sehr tief stehende Sonne zeichnet ein buntes Muster auf dem See in dem sich die italienische Grenzstation
spiegelt. Wieder fällt mir die Photoserie ein. Ich hatte den Pass schon mal zu Pfingsten im Morgenlicht gemacht. Auch nicht schlecht, aber
anders.
Aber auch das hält uns nicht zurück und langsam machen wir uns an die Abfahrt, die lediglich auf halber Strecke durch ein verspätetes
Murmeltier welches frech auf der Strasse sitzt kurz abgebremst wird. Je tiefer wir kommen, um so wärmer wird es wieder. In Martigny
erreicht das Thermometer dann wieder die 26°C Grenze.
In Martigny kurz rechts ab im Kreisverkehr und wir folgen der Kantonalstrasse 9 das Wallis hinauf durch die Weinberge. Langsam fällt die
Spannung ab, man spürt langsam das Hinterteil und dennoch kann man die restlichen Kilometer noch geniessen. Das Wallis, ausgebildet
wie eine übergrosse Wanne, begrenzt den Blick und öffnet ihn zugleich auf die umliegenden Berge, im Tal der Duft der Weinberge und der
Hitze des Tages, hat einen eigenen nicht zu kopierenden Flair. Im Hotel Rarnerhof in Raron angekommen ist es dann jedoch schon wieder
etwas kühler. Hier an der Verkehrstangente von Lötschbergtunnel und Simplon, etwas südlich von VISP sind wir im Valais bereits wieder
höher und es ist wieder sehr angenehm. Mit all diesen Eindrücken lassen wir dann bei einer kühlen Stange (etwa 0.3l) einheimischen
Landbier den Tag ausklingen. Es war ein sehr schöner Tag.
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