Graubünden
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2. Januar 2010

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Über den Foscagno zum Stilfser Joch

Das Tal von LivignoDer Grenzposten hier oben am Forcola di Livigno sieht recht trostlos aus. Ein paar Container, ein Stahlbetongebäude, dicht an den Berghang gepresst, vom Winter aufgesprungene Strassen und der weite Blick hinab in den baumlosen Taltrog lässt Untergangstimmung aufkommen.

Wie ein kleiner Bandwurm verläuft die Strasse entlang der linken Talseite, ab und an von einer Lawinengalerie unterbrochen. Wir passieren den mürrisch drein blickenden Grenze, der mit seiner umhängenden Maschinenpistole schon recht martialisch aussieht und gleiten hinab ins Tal.

Im unteren Teil des Taltrogs wird es etwas freundlicher und spärlicher Bewuchs bedeckt ab und an den Talboden. Schon weit vor der eigentlichen Ortseinfahrt passieren wir die erste Billigtankstelle. Hier fragt man sich 62,- Eurocent den Liter Superbenzin – das geht sicher auch noch besser und das dann auch an einer Markentankstelle. Wir nähern uns dem Ort und übergrosse Werbeplakate preisen alles an was man hier oben so schön zollfrei erwerben kann. Natürlich Zigaretten, Parfüm, aber auch Elektronikartikel, Kameras und Bekleidung der bekannten Marken.

Durch den Ort selbst führt eine Fussgängerzone, so biegen wir etwa 500m nach dem Ortseingan nach rechts auf die Umgehungstrasse und in Richtung Bormio ab. Dann lassen wir Livigno schnell hinter uns. Der Ort ist überlaufen, da hier jeder zollfrei einkaufen möchte. Busse, Wohnmobile und viele Autos zwängen sich durch den kleinen Ort und machen ein Fortkommen nicht einfach. Beinahe hätten wir auch noch die Abzweigung zum Passo di Foscagno übersehen, schrauben uns aber dann am südlichen Hang des Tales Kehre für Kehre den Berg hinauf. Lange schweift der Blick über den Ort Livigno und den dahinter liegenden Stausee.

Passo di FoscagnoDie Sonne steht inzwischen im Süden, also genau vor uns. Die Schlagschatten der Berge schaffen ein fast unwirkliches Bild. Wir verlassen das Tal von Livigno über eine Kuppe und gelangen in ein kleines Hochplateau, welches uns hinüber zum Passo di Foscagno bringen wird. Einige verlorene kleine Ortschaften, kahles Land und um uns herum ein paar hügelige Berggipfel umgeben uns, bis wir auf dem Passo di Foscagno die nächste italienische Grenzstation erreichen.

Hier wird der ausgehende Verkehr nach Italien genau unter die Lupe genommen. Ein Stau ist daher unvermeidlich und die Grenzer achten sorgfältig auf die Motorradfahrer, die versuchen sich links an der wartenden Schlange vorbei zu mogeln. Solche Kandidaten werden dann ausgiebig geprüft und belehrt. Geduldig warten wir also wie die Grenzer teilweise lautstark einen kleine Fiat 500 zerlegen und sich mit der etwas korpulenten Beifahrerin anlegen. Kostenloses Reality TV in höchster Vollendung.

Der Grenzer schaut kurz auf unser Kennzeichen, nickt dann kurz und winkt uns durch. Wir tauchen ein in die Südabfahrt in Richtung Bormio und Stilfserjoch. Die Südseite des Passes zeigt wieder eine exzellente Strasse, die sich in sanften Kehren, durch kleine italienische Bergdörfer in Richtung Bormio schlängelt. Es wird wärmer. Da wir jedoch dieses Tal zügig durchqueren und dann auf das Stilfser Joch zusteuern, sehen wir von einer Bekleidungserleichterung ab. Wir wedeln die Kurven hinab und der Fahrtwind kühlt ein wenig. Wir sind wieder in Bella Italia. Man merkt es am Fahrstil der Autofahrer. Also Vorsicht geboten und immer damit rechnen dass ein Giovanni mal wieder die Kurve schneidet.

Blick auf den UmbrailpassDrunten im Tal, kurz vor Bormio ist es dann geschafft. Der Einstieg zum Stilfser Joch ist erreicht. Wir biegen links auf die Stilfserjochstrasse ein. Im unteren Teil führt diese in leichten Kurven durch lichte Krüppelkieferwäldchen, biegt dann rechts in ein Tal und windet sich dann über sehr enge Kehren, teilweise durch einspurige feuchte Felstunnel hinauf zum Joch. Am Ende des Tales steigen wir dann in ein Feuerwerk von Serpentinen ein, wo dann nach kurzer Zeit ein Hochtal in 2.300m erreicht wird.

Wir glauben schon das Joch erreicht zu haben. Es geht etwas eben durch das Hochtal wo wir im Hintergrund schon wieder die nächste Serpentinenorgie ins Blickfeld bekommen. Aber selbst hier sind wir noch nicht oben. Vorbei am Abzweig zum Umbrail Pass und der schweizerischen Grenzstation geht es weiter aufwärts.

Oben angekommen erwartet uns eine Überraschung. Der Pass ist überfüllt mit Motorradfahrern aus allen Ländern, die durch das schöne Wetter angelockt wurden. Die Sonne brennt bei einer Aussentemperatur von 18°C auf uns nieder und trotz Schutzfaktor 12 holen wir uns alle innerhalb von einer Stunde einen Sonnenbrand. Hier oben summt das Leben und wir tauchen in das bunte Treiben ein.

Stilfserjoch PasshöheÜber Umbrail- und Ofen-Pass zurück ins Oberengadin

Nach dem Genuss einer typischen Stilfser Bratwurst mit Kraut und Fladenbrot für 10,- Euro machen wir uns gegen 13:00 auf den Rückweg. Wir wählen jedoch nicht die 42 Kehren Abfahrt hinab ins Vinschgau und auch nicht den Weg zurück nach Bormio. Wie bereits erwähnt, befindet sich der Abzweig zum Umbrail Pass ein kleines Stück des Weges zurück am Ende des Hochplateaus. Bis hier hin fahren wir zurück und biegen dann in der Serpentine rechts ab und stehen direkt am Grenzübergang zwischen Italien und der Schweiz.

Ohne auch nur einen italienischen Zöllner zu Gesicht zu bekommen, rollen wir über den Grenzübergang und ein Stückchen weiter über den der Schweizer Kollegen. Wir tauchen in das Tal Val Muraunza ein, welches uns über Santa Maria in den Schweizer Nationalpark zum Ofenpass führen wird..

 

 

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