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Der Umbrail Pass ist im oberen Teil geteert und schwingt sich in
sanften Kehren, unterbrochen durch einige Serpentinen hinab ins Tal. Wir befinden uns immer noch oberhalb der Baumgrenze und
steigen in ein sanft geschwungenes Tal ein, welches einem kleinen Bächlein hinab ins Val Mustair folgt.
Der Hang ist gut übersichtlich und wir sehen das geschwungene
Band der Strasse stetig vor uns am Hang in Schleifen von links nach rechts auspendelnd den Weg bis zur Baumgrenze folgend.
Dort verschwindet es kurz um bei der nächsten kleinen Steinbrücke über den Bergbach wieder aufzutauchen.
Nach etwa einem Drittel des Weges wandelt sich der Pass in
eine gut befestigte Schotterpiste, die jedoch in vorsichtiger Fahrweise ohne Probleme befahren werden kann. Der Untergrund
ist festgefahren und lediglich in den Kurven sind die Spuren ausgefahren und der Schotter am Rand und in der Fahrbahnmitte etwas höher.
Aber alles entspannt. Man benötigt keine Reiseenduro um dort hinauf oder wie wir, hinab zu kommen. Leider gibt es jedoch genügend
Spasskanonen die ihre Reiseenduro gehörig überschätzen und meinen hier mal den Larry zu spielen. Der beste Punkt die Abflüge der
Gummikühe oder KTM Piloten zu applaudieren ist in der Kurve nach der obersten Steinbrücke, just wenn die Strasse aus dem Wald
kommt. Hier verläuft die Strasse in einer S-Form. Klassisch von oben nach unten kommend, schaffen die meisten noch den Einstieg ins
S, aber den Ausstieg nicht mehr. Und dann geht es geradeaus in die Weide und endet spätestens beim ersten Kuhfladen. Weich
gepolstert legt man sich dann ab.
Das untere Drittel jedoch führt dann wieder auf befestigtem Weg durch einen Wald, gespickt mit engen schmalen Serpentinen, um
dann in Santa Maria zu enden. Auch hier ist Vorsicht geboten. Kaum wieder festen Boden unter den Reifen glauben viele gleich wieder in
maximale Schräglage gehen zu können und das passiert dann etwa 200m in einer Linkskurve, genau vor dem Bergrestaurant. Ich kann
die vielen Holländer gar nicht mehr zählen die sich hier während einer entspannten Mittagspause lang gemacht haben.
Wir erreichen in Santa Maria in Mustair den Talgrund und biegen links in die breit ausgebaute Ofen-Pass Strasse ein, die uns in
Handumdrehen zur Passhöhe führt. Die Auffahrt ist zügig zu meistern und die weit geschwungenen Kurven laden zur Schräglage ein.
Unterbrochen durch ein paar kleine Örtchen, den Ortler im Rücken, kann man während dem Kurvenspass die Passhöhe, welche in einem
kleinen, wannenförmigen Hochplateau liegt, schon von weitem erkennen. Gleiches gilt für die nördliche Abfahrt, die im Oberengadin in
Zernez endet.
Über den Albula zurück zum Glaspass
In Zernez biegen wir links ab und folgen dem Inn stromaufwärts
bis nach La Punt Chamues und verpassen um ein Haar die kleine Auffahrt zum Albula Pass. Diese liegt so versteckt
gegenüber der Brücke über den Inn, dass man sich schon auf die Wegweiser konzentrieren sollte.
Also rechts ab und direkt, den Bahnhof links liegen lassend,
über den Bahnübergang der Rhätischen Bahn in die Passtrasse einsteigen. Wir verlassen den Ort nach der ersten Kehre und
folgen durch Wiesen, mit einem herrlichen Blick über das Inntal, der Strasse bergan. Ein leichter Föhrenwald empfängt uns und in
sehr engen Kehren geht es an der Nordflanke des Engadin nach oben. Aus dem Engadin kommen wir aus fast 1.800m und so ist
die Auffahrt zum Albulapass von dieser Seite nicht sehr lang.
Wir kommen in ein Hochplateau, welches nur noch spärlichen Grasbewuchs aufweist und folgen dem Tal fast 2km auf gleicher Höhe,
bevor wir das Hospiz auf der Passhöhe erreichen. Wir hatten in Frank mit seiner BMW Cruiser in Zernez verloren und wurden uns schnell
einig auf dem Albula eine Kaffeepause einzulegen. Wir machten es uns also vor dem Hospiz gemütlich und beobachteten das muntere
Treiben vor uns auf der Passhöhe. Schnell kamen die ersten Benzingespräche in Gang und nach der dritten Tasse Kaffe kam dann auch
Frank mit seiner Gummikuh angeschossen. Er hatte natürlich die Auffahrt verpasst und war weiter bis St. Moritz gefahren. Schnell hatten
wir uns ausgetauscht, und nach einer weiteren Stunde angenehmer Unterhaltung mit anderen Tourenfahrern machten wir uns gegen 16:00
wieder auf den Weg.
Die Albula Nordflanke ist sehr kurvenreich, landschaftlich herrlich
und wird von der Rätischen Bahn begleitet. Auf gewagten Bauten überquert sie das Tal um an Höhe zu gewinnen und wir sind
begeistert von dieser architektonischen Leistung der Ingenieure.
Es lohnt sich die Nordflanke gemütlich zu meistern. Dies sagen
wir nicht nur im Hinblick auf die katastrophal schlechte Strasse mit Schalglöchern, Frostrissen und Verwerfungen, nein. Wir
meinen dies hinsichtlich der Landschaft.
Also kurz in Preda am Bahnhof angehalten und in dem kleinen
Restaurant ein Eis gegessen. Dann auf den ersten Zug der Rhätischen Bahn gewartet und die Landschaft aufgesogen. Das
lohnt sich. Rings um sich diese Stille, nur unterbrochen durch die Geräusche der Rhätischen Bahn und dazu das Treiben auf der Passtrasse.
Über Bergün und Filisur geht es nach Tiefencastel, wo wir durch die Schinschlucht wieder Thusis erreichen. Ach was freuen wir uns auf
den krönenden Abschluss dieses ersten Tourtages. Fünfzehn Kilometer schönste Kurven bis hinauf zum Glaspass unserer Herberge dem
Berggasthof Beverin, wo uns die Wirtin bereits mit einem guten Appenzeller Bier und einem ausgiebigen vier Gänge Menue mit Nachschlag erwartet.
Als wir nach dem Essen noch den Sonnenuntergang verfolgen und den klaren
Sternenhimmel bewundern, freuen wir uns bereits auf den morgigen Tag, der uns über den
Oberalp nach Uri und zum Grimselpass bringen wird. Wir hatten uns fest vorgenommen,
dieses Mal zum Oberaargletscher vorzustossen. Mehr dazu im Reisebericht “Durch vier Kantone in der Zentralschweiz”.
Bis dahin sitzen wir erst mal in der guten Stube und lassen uns das Essen in aller Ruhe
munden. Nach so einem herrlichen Tage ist die Gemütlichkeit und die Verpflegung das A
und O. Ich denke man kann im rechten Bild gut erkennen wie es Frank und mir schmeckt.
Und das war nicht das letzte Appenzellerbier an diesem Abend.
See you soon in Grisons!
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