|
|
|
Videoaufnahmen & Motorradtour
|
|
|
|
Erste Überlegungen
|
|
Für
dieses Projekt haben wir zwei Jahre Arbeit investiert und waren mit den unterschiedlichsten Konzepten und Anbauten für Videokameras mehrfach im Alpenraum unterwegs und
haben das “Setup” in Realität getestet. Zwei Dinge haben wir dabei gelernt. Es macht wenig Sinn und sieht im fertigen Video auch nicht so toll aus, wenn sich vor dem
Betrachter nur die Landschaft bewegt und kein Bezug zum Motorrad besteht. Es sollte also immer ein Teil vom Motorrad zu sehen sein, der sich bewegt.
|
|
Das erste Konzept war also eine Halterung, welche durch die Frontscheibe der Varadero
hindurch die Fahrt aufgezeichnet hat. Der grosse Nachteil dieses Layouts wurde sofort im
fertigen Video sichtbar. Es gibt nämlich auf dem Motorradmarkt keine Frontscheibe, die
100%ig klar ist. Alle Frontscheiben bestehen aus Kunstsoff und sind mehr oder weniger
gewölbt. Zusätzlich stehen sie unter mechanischer Spannung bedingt durch den Einbau und die auf die Frontscheibe wirkende Windlast während der Fahrt.
Weiterhin ist die Frontscheibe aus Kunststoff Temperaturschwankungen und der
UV-Strahlung der Natur ausgeliefert. Somit zeigt jede Frontscheibe immer ganz kleine
Kratzer und Risse in der Struktur, welche sich speziell bei Fahraufnahmen mit Lichteinfall von
vorne oder von der Seite negativ auf die Viedoaufnahme auswirken. Gerade bei Fahrten gegen
die Sonne liefert die Frontscheibe eine Explosion von Streustrahlung und wird nahezu undurchsichtig.
|
|
Bei der
Montage einer Halterung hinter der Frontscheibe kommt erschwerend hinzu, daß bei Rückenlicht die Kamera selbst in der Frontscheibe spiegelt und schwarz wollten wir unseren
wertvollen Camcorder auch nicht gerade anstreichen. Wir kauften uns daher eine Videokamerahalterung für den Tankdeckel um die Kamera weiter von der Frontscheibe weg zu
bekommen, hatten dann aber nur die Armaturen und wieder die Frontscheibe im Bild. Die Landschaft und die Strassendynamik konnten wir wieder nicht mit entsprechender
Qualität aufzeichnen.
|
|
|
|
Das Konzept
|
|
Mehrere Dinge sind wichtig um professionelle Aufnahmen einer Motorradfahrt zu realisieren.
|
Der Camcorder sollte ein digital Video Camcorder sein. Wir benutzen eine Sony DCR-HC85.
Dieser Camcorder besitzt ein Carl Zeiss Vario-Sonnar T Objektiv als Standard mit einer Brennweite von 45mm und einer Videoauflösung von 2.1Mio Pixeln.
Die Kamera muss ein Weitwinkelobjektiv haben. Eine Brennweite <20mm ist unabdingbar.
Ansonsten kann das menschliche Auge die Eindrücke gar nicht verarbeiten. Ein Standard
Camcorder sollte also mit einem Weitwinkel nachgerüstet werden. Wir benutzen das Weitwinkel von Sony mit einer Brennweite von 18mm.
Der Camcorder sollte Mini DV Kassetten nutzen. Mit Mini DVD haben wir schlechte Erfahrungen
gemacht. Bedingt durch die Vibrationen der Varadero zeigte das Video dauernde Aussetzer. Diesen Camcorder haben wir dann wieder bei e-bay verkauft.
Des weiteren sollte die Halterung für den Camcorder so konstruiert sein, dass sie neben dem
Motorrad installiert wird. Somit wird während der Fahrt das Vorderrad zusehen sein, die Strasse
und die umliegene Landschaft in ausreichendem Masse berücksichtig. Wir haben unsere Kamera links an den Strurzbügel installiert.
Die Halterung hat eine Frontscheibe aus Glas, welche mit Silikon eingesetzt wurde. Wir benutzen dafür einfaches Glas eines
Bilderrahmens aus dem Baumarkt.
Die Kamera sollte eine Anti-Verwackeloption haben. Weiterhin sollte die Autofocusoption abstellbar sein. Mit Weitwinkel ist das
eh kein Problem. Man stellt die Entfernung auf ganz nah, also Zoom ganz einfahren, auf den weitesten Punkt von Hand
scharfstellen und Kamera in die Motorradhalterung einsetzen.
Die Halterung ist mit mindestens 2.5cm Schaumstoffstreifen auszukleiden, damit die feinen Vibrationen des Motors dem guten
Stück nicht schon nach 2 Tagen ein Ende setzen.
Ach ja, und ganz wichtig. Nehmt genügend Glasreiniger mit. Die Frontscheibe der Kamera bleibt max. 20min. frei von Fliegen und
sonstigen Insekten. Ist erst mal so ein Flugapparat auf der Gehäusescheibe eingeschlagen, macht er sich direkt als Dinosaurier
auf dem Video bemerkbar. Die Videosequenz ist dann unbrauchbar.
|
|
|
|
Die Halterung
|
|
Die Halterung besteht aus zwei Teilen.
|
|
Einer Aluminiumplatte, welche mit Gummi isolierten Rohrschellen an den Sturzbügel
montiert wird. Sie dient als Träger für die Kamerahalterung. Aluminiumplatten gibt’s im
Baumarkt. 1.5mm Plattenstärke reicht vollkommen aus. Die Platte sollte mit drei Schellen
am Sturzbügel befestigt werden. Die Schellen gibt es auch im Baumarkt und werden in der Sanitärabteilung für die schalloptimierte Befestigung von Rohrleitungen verwendet.
Die Schellen sind in verschiedenen Durchmessern erhältlich und für nahezu alle Sturzbügel
Rohrdurchmesser vorhanden. Benötigt wird nur der obere Teil der zweiteiligen Schelle. Die
Seite mit dem einschlagbaren Wandhaken ist überflüssig. Die Herstellung der Halteplatte ist relativ einfach.
Man nehme ein DIN A4 Blatt und halte es von aussen an den Sturzbügel. Nun zeichnet
man grob mit einem Filzstift die Umrisse so, dass genau drei Stellen für die Rohrschellen als Befestigung am Sturzbügel berücksichtigt sind.
Dann wird das Ganze mit der Stichsäge ausgesägt, die 6 Löcher gebohrt und die Schellen mit selbstsichernden Mutter befestigt, sonst vibriert das Ganze ab.
|
|
Aus der gleichen Aluminiumplatte kann das Gehäuse für die Kamera erstellt werden. Dies
Gehäuse stellt im wesentlichen eine U-Form dar. Die Länge gibt der Camcorder vor. Vorne
und hinten sollten 2cm überstehen, damit das Glas eingesetzt werden kann und hinten der Camcorder vor Beschädigungen geschützt ist. Beim Umbiegen der Seitenteile links und
rechts neben dem Camcorder jeweils 2cm Platz lassen. Zusätzlich muss über der Glasscheibe eine Gewindestange angebracht werden. Diese dient dazu, dass mechanische
Belastungen von der Glasscheibe ferngehalten werden.
Abschliessend wird die Glasscheibe vorne mit Sanitärsilikon eingesetzt und zwei Streifen
Schaumstoff in die Halterung eingeklebt. Der Camcorder muss straff in die Halterung passen. Gegebenenfalls muss mit einem Cuttermesser der Schaumstoff nachgeschnitten
werden. Bis jetzt haben wir weder in der Halteplatte am Sturzbügel, noch an der Camcorderhalterung Löcher zur Verbindung gebohrt.
Das erfolgt erst dann, wenn der Camcorder in der Halterung gut sitzt. Dann wird das Motorrad senkrecht gestellt, der Camcorder in der
Halterung an die Platte gehalten, der Camcorder gestartet und die Befestigungsposition nach folgenden Kriterien ausgewählt.
das Vorderrad sollte rechts im Bild sein
es sollte möglichst viel Landschaft zu sehen sein. Die beste Einstellung ist 1/3 Strasse, 2/3 Landschaft und Himmel.
Im Weitwinkel darf nichts von der Camcorderhalterung zu sehen sein, also keine häßlichen Silikonstreifen im Bild.
Ist die ideale Position gefunden, dann wird die Camcoderhalterung mit zwei Schrauben an
der Struzbügelhalteplatte verschraubt. WICHTIG!! Zwischen beiden Metallflächen ca 2mm dünne verdichtete Schaumstoff/Gummistreifen kleben. Auch die gibt es im Baumarkt von
der Rolle. Diese Streifen dämpfen nochmals die ganz feinen Vibrationen. Wir hatten es auch mal mit Schwingungsdämpfern unterschiedlicher Härte versucht, doch dann schwang
die Kamera immer zu stark nach jeder Bodenunebenheit nach.
In dieser Konfiguration haben wir schon sehr viele schöne Fahraufnahmen in den “Kasten”
gebracht. Besonders spannend sind Linkskurven, wenn die Kamera nur eine “Handbreit” über der Strasse liegt und der Mittelstreifen unter ihr durchflitzt.
|
|
Über diesen Kameralink haben hier ein Kurzvideo auf unserem Webserver abgelegt. Es zeigt 40sec Fahrt von Andermatt
hinauf zum Oberalppass. Wir mussten die Qualität auf Mpeg1 runterschrauben, daher ist die Auflösung nicht besonders gut.
Diese Sequenz hat nahezu 7Mb. Der Original geschnittene Videoausschnitt in Mpeg2 auf DVD hat 34Mb und ist von einem
Fernsehfilm nicht mehr zu unterscheiden. Was wir hier zeigen wollen ist eine Fahrt mit Gegenlichtaufnahme am Abend und
tief stehender Sonne und die Perspektive, aufgenommen mit unserem Konzept. Weitwinkel, digitaler hochauflösender Camcorder und
Mini DV Kassette. Aber schaut und urteilt selbst. Das Gegenlicht wirkt einfach toll und die Perspektive ist atemberaubend.
|
|
|
|
|