Unbeschwertes Vergnügen

Im Praxistest: Royal Enfield Himalayan und Brixton Crossfire 500

Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes unbeschwert unterwegs. Mein Freund Dirk sammelt seine ersten Erfahrungen auf einer Brixton Crossfire 500 X (190 kg, 48 PS, 500 Kubik) und ich drehe auf einer Royal Enfield Himalayan (199kg, 24 PS, 411 Kubik) meine ersten Runden.

Beide Testmaschinen sind uns von der KSR Group gestellt worden, die so klingende Namen wie Lambretta, Malaguti, oder eben Royal Enfield importiert. Die Brixton wiederum ist eine eigene Entwicklung und keine wiederbelebte englische Marke, wie manche meinen.

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Seit wir heute Morgen gestartet sind, machen wir eine spannende Erfahrung auf diesen beiden Leichtgewichten mit den entspannten Leistungswerten: Wir vermissen nichts! Das Fahrwerk der Himalayan bügelt die Unebenheiten des Untergrunds entspannt weg und das 21-Zoll-Vorderrad schlägt sich in den Kurven erstaunlich gut. Der sonore Sound des Einzylinders trägt seinen Teil dazu bei. Auf dieser Maschine lernt man die Kunst des Dahingleitens. Für notorisch Gestresste eine echte Therapie.

Dirk dagegen hängt am Gas einer puristisch schönen Maschine mit Retrotouch und wedelt jede Kurve genussvoll aus. Ab und an zeigt er mir die agile Seite der Brixton – und ist dann nicht mehr zu sehen.

Überraschung am Morgen

In der Nacht hat es geregnet und die Feuchte der Nacht hängt noch in der Luft. Die Himalayan kommt heute schwer in die Gänge. Immer wieder geht sie aus. Liegt es an den acht Grad Celsius, die das Thermometer anzeigt? Uns fällt ein Hebel an der linken Armatur mit einem Zeichen auf, dass wir ziemlich lange nicht mehr gesehen haben. Das müsste ein Chokehebel sein. Ich drücke den Schalter nach vorne, betätige den Starter und schon tuckert der Motor in vertrauter Weise. Die Überraschung ist geglückt. Das ist nicht nur Retro, das wird bei einstelligen Temperaturen wirklich gebraucht.

Schnell verstaue ich mein Gepäck in die zwei robusten Alukoffer der Himalayan, die jeweils 26 Litern fassen und fest am Kofferträger verschraubt sind. Da wird sich selbst nach kilometerlangen Waschbrettpisten nichts lösen, da bin ich mir sicher. Die Zuladung von bis zu 165 kg macht aus diesem robusten Begleiter einen verlässlichen Lastenesel – jedenfalls für Solisten.

Ich blicke zur Seite und sehe, wie Dirk seine Reisetasche auf der Brixton verzurrt. Zugegeben, das sieht eher zweckmäßig als elegant aus. Wer es schicker mag, der greift zu den passenden Satteltaschen, die im Zubehör angeboten werden. Dann stehen knapp 10 Liter Stauraum pro Seite zur Verfügung. Für ein Wochenendausflug mit Übernachtung reicht das vollkommen aus.

Auf der Brixton nackt im Wind

Der Himmel öffnet seine Schleusen. Während das Windschild der Himalayan einen guten Job macht, hängt Dirk auf der Brixton nackt im Wind. Für die Regenkluft ist es jetzt eh zu spät. Dann tauschen Dirk und ich Maschinen. Die letzte Tagesetappe auf der Brixton gehört mir. Nach der aufrechten Fahrposition der Himalyan ist die leicht vornüber gebeugte Haltung etwas ungewohnt, aber durch den hohen und breiten Lenker nicht unangenehm. Der Fahrtwind drückt mich dann ein wenig nach hinten und ich sitze top bequem. Druckvoll schiebt mich der Halbliter-Reihen-Twin die Straße entlang. Ab 2.000 Umdrehungen gibt es einen Punch.

Es folgt eine kleine Schottereinlage – dieser Untergrund will mit den beiden Leichtgewichten schließlich auch ausprobiert werden. Wir kraxeln mit den Motorrädern den immer steiniger werdenden Weg hinauf. Wie ich diese Himalayan mit ihrem glänzend verteilten Schwerpunkt liebe! Ohne Mühe bugsiere ich sie über das Geröll. Genau für solche Wege ist sie gebaut. Ich blicke zurück. Dirk holpert mit der Brixton tapfer hinterher. Auch wenn dieses Naked Bike eher für urbanes Terrain gebaut ist, es schlägt sich hier oben erstaunlich gut. Die getestete X-Version mit leichten Scrambler-Anklängen fühlt sich sichtlich wohl.

Zum Schluss geht es noch auf eine Panoramastraße mit acht herrlichen Kehren bei einer Steigung von bis zu neun Prozent. Für dieses Kurvenvergnügen muss ich Himalayan gut am Gas halten und viel schalten. Sie ist eben kein Beschleunigungswunder. Selbst Dirk hat bei diesem Panorama auf der Brixton keine Eile, obwohl er spielend davonziehen könnte.

Fazit

Ohne Übertreibung, diese beiden Maschinen haben unsere Herzen im Sturm erobert. Mit der asketischen Royal Enfield Himalayan und ihrer entspannten Leistung sowie unverwüstlicher Technik würden wir voller Vertrauen auf Weltreise gehen. Die freche, spritzige Brixton Crossfire 500 X mit ihrem unwiderstehlichen Feierabendrunden-Charme hätten wir immer in greifbarer Nähe – und sobald das Wetter passt, drauf und Gas.

Autor: Alex Milz • Fotos: Alex Milz, Dirk Herzogenrath


Mehr zu den beiden Maschinen, die ihre Fähigkeiten in der Steiermark unter Beweis stellen mussten, lest ihr in der Reportage „Steirische Streifzüge“ in ALPENTOURER 6/2021. Und hier ist der Trailer dazu.


Motor
Luftgekühlter Einzylinder-Viertakt-Motor, Hubraum 411 cm³, Leistung 18 kW (24 PS) bei 6.500 U/min, max. Drehmoment 32 Nm bei 4.250 U/min, 5-Gang-Getriebe, Kettenantrieb.

Fahrwerk
Vorne: hydraulische Teleskopgabel, Ø 41 mm, Hinten: Stahl-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein, Federvorspannung einstellbar. Reifen vorne: 90/90-21, hinten: 120/90-17.

Bremsen
Vorne: Einscheibenbremse 300 mm mit Zweikolben-Bremse, Hinten: Scheibenbremse 200 mm mit Einkolben-Bremszange, 2-Kanal-ABS hinten abschaltbar.

Maße und Gewicht
Radstand 1.465 mm, Federweg v/h 200/180 mm, Sitzhöhe 800 mm, Gewicht fahrfertig 199 kg, Zuladung 165 kg, Tankinhalt 15 l.

Preis (DE)
Ab 5.190 Euro

Motor
Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Motor, Hubraum 486 cm³, Leistung 35 kW (48 PS) bei 8.500 U/min, max. Drehmoment 43 Nm bei 6.750 U/min, 6-Gang-Getriebe, Kettenantrieb.

Fahrwerk
Vorne: Upside-Down Gabel, Ø 43 mm, Druckstufendämpfung einstellbar, Hinten: Stahl-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein, Federvorspannung einstellbar. Reifen vorne: 120/70-ZR17, hinten: 160/60-ZR17.

Bremsen
Vorne: Einscheibenbremse 320 mm mit Zweikolben-Bremszange, Hinten: Scheibenbremse 240 mm mit Einkolben-Bremszange, 2-Kanal-ABS.

Maße und Gewicht
Radstand 1.416 mm, Federweg k.A., Sitzhöhe 795 mm, Gewicht fahrfertig 190 kg, Zuladung 160 kg, Tankinhalt 13,5 l.

Preis (DE)
Ab 6.599 Euro

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